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Jurastudium: Lerntipps aus der Praxis - die verschiedenen Wege zu einem erfolgreichen Examen

Ihr alle kennt es, der Lernstoff im Jurastudium erscheint nahezu endlos. Wo soll ich anfangen? Wie soll ich mir das bloß alles merken? Habe ich überhaupt noch ein Leben neben all dem Lernstress?

Daher ist es umso wichtiger, Ruhe zu bewahren, strukturiert vorzugehen und die richtige Lernmethode für sich selbst zu finden. Denn eines ist sicher, jeder lernt anders und es gibt kein „Patentrezept“.

Wir haben bei erfahrenen Juristinnen und Juristen und Jurastudentinnen und Jurastudenten nachgefragt und diverse Herangehensweisen sowie praxiserprobte Lern- und Buchtipps für Euch zusammengefasst.

Vielleicht erkennt Ihr Eure eigenen Lerntechniken teilweise wieder oder bekommt hilfreiche Anregungen. Lasst Euch inspirieren!

 

Einen Lernplan für das Jurastudium entwickeln

Dr. Klaus Winkler, Rechtsanwalt und Lektoratsleiter bei C.H.BECK, Lehrbeauftragter an der Universität Augsburg

 

„Mit Plan lernen: Wochentage bis zum Examenstermin zählen und Lernstoff zum Wiederholen (sinnvoll!) ganz konkret thematisch auf die Wochen, ggf. sogar auf die Tage verteilen. So hat man jedenfalls das latente Gefühl, dass man das Examenswissen vollständig wiederholt und sich an der Stelle nichts vorzuwerfen hat. Das Wochenende gehört dem Klausurenkurs (Samstag) und nichtjuristischen Aktivitäten.

„Nach wie vor unerreicht ist für das Wiederholen von Wissen die gute alte Karteikarten-Methode. Das geht inzwischen zwar auch mit automatischem Abfragealgorithmus per App. Lernpsychologisch am besten funktioniert es aber handschriftlich auf Papier-Kärtchen, weil das Gedächtnis auch optische Anomalien im Kontext mit Inhalt verarbeitet.

Einfacher gesagt: Das Gedächtnis lernt schneller und besser selbst Handgeschriebenes als Computer-Druckschrift, weil es sich auch im Zusammenhang mit Unebenheiten der Schrift und Farbklecksen auf den Karten an deren Inhalt erinnert.“

 

Das richtige Training nimmt die Angst

Anja Gans, Ass. iur., Verantwortliche für Kommunikation und Verlagskooperationen bei C.H.BECK

 

„Klausuren schreiben, Klausuren schreiben, Klausuren schreiben. Und nicht nur gedanklich die Lösung skizzieren, sondern innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens die Aufgabe lösen und die Bearbeitung auch abgeben und bewerten lassen. So lassen sich die Fähigkeit zur Problemlösung, das Zeitmanagement und der eigene Wissensstand hervorragend überprüfen. Zudem nimmt regelmäßiges Training die Angst vor dem ‚Ernstfall‘.“

 

Examenstipp: Trotz Lernstress einen halbwegs ausgeglichenen Lebensstil führen

Fabienne Wolf, Ass. iur.

 

„Wir kennen es alle: Lernen kann man für das Examen ohnehin nie genug. Umso wichtiger ist es, zwischendurch auch mal den Kopf frei zu bekommen. Da hat jeder seine eigenen Vorlieben. Bei mir war und ist es der Sport. An Tagen, an denen ich das Gefühl hatte, meinem Lernplan meilenweit hinterher zu rennen, habe ich mich abends mit einem Satz Karteikarten auf mein Indoor-Fahrrad gesetzt und auf diese Weise beides kombinieren können.

Beim Sport wird der ganze Körper und besonders das Gehirn angeregt. Das hin und wieder recht einschläfernde Wiederholen der zahlreichen Definitionen und Meinungsstreitigkeiten ist mir dadurch gerade nach einem langen Lerntag wesentlich leichter gefallen. Und, ich habe die Zeit effektiv genutzt: Denn ohne ein bisschen Bewegung fällt vermutlich jedem hin und wieder die Decke auf den Kopf.

Zu einem ausgewogenen Lebensstil gehört es für mich auch, ausreichend Zeit mit Nicht-Juristen zu verbringen. Denn sind wir mal ehrlich, verrückt machen wir uns schon selbst genug. Da tut es wirklich gut, sich auch mal mit Leuten zu unterhalten, die nicht von morgens bis abends juristische Lektüre studieren. Ohnehin ist es unheimlich wichtig, sich nicht von den Lernmethoden anderer beeindrucken zu lassen. Sicherlich hat der eine oder andere gute Tipps und Hinweise, aber das entscheidende ist am Ende, dass man selbst eine Strategie entwickelt, mit der man bestmöglich vorankommt.“

„Ein Tipp, den eigentlich jeder kennt, der aber doch unterschätzt wird: Basiswissen beherrschen! Im Examen kommen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Fallkonstellationen dran, die einem auf den ersten Blick unbekannt sind. Umso wichtiger ist es, dass man das Handwerkszeug anwenden kann. Lasst im Zweifel lieber einen komplizierten Meinungsstreit bei der Vorbereitung außen vor und schaut euch dafür die Grundlagen umso genauer und intensiver an.“

 

Schnelles Nacharbeiten und Ansteuern mehrerer Lernkanäle

Christian Sommer, Rechtsanwalt und Repetitor, Gesellschafter des Verlags Alpmann Schmidt

 

„Was auf den ersten Blick wenig juristisch klingt, hilft aber (auch) im juristischen Studium und der Examensvorbereitung! Neuer Stoff wird nur dann dauerhaft im Langzeitgedächtnis verankert, wenn er zeitnah (und kontinuierlich) wiederholt wird. Erschließen Sie sich in der Vorlesung ein neues Themengebiet, sollten Sie den Stoff innerhalb von 24 Stunden über ein Lehrbuch oder Skript nacharbeiten. Danach können Ihnen Schemata oder Karteikarten dabei helfen, dass die Information in Ihrem Langzeitgedächtnis verankert wird und in jeder Situation (Klausur!) zur Verfügung steht.

Wie einprägsam neuer Stoff ist, wird zudem darüber bestimmt, auf wie viele Arten Sie den Inhalt erschließen: Nehmen Sie die neuen Inhalte lediglich passiv und nur einmal auf (hören z.B. in der Vorlesung, erster Lernkanal), wird nur ein geringer Teil der Information dauerhaft verankert. Über die unverzügliche Nacharbeit (lesen, zweiter Lernkanal) wird die Information schon vertieft, sodass Sie sich einen größeren Teil einprägen können.

Sie sollten sich aber zusätzlich zu einer Lerngruppe zusammenschließen, in der Sie den Stoff diskutieren (sprechen, dritter Lernkanal). So fallen nicht nur etwaige Lücken in der Nacharbeit auf, sondern es findet bereits eine Wiederholung (s.o.!) statt. Nutzen Sie dann auch noch Übungsklausuren (schreiben, vierter Lernkanal), haben Sie mir einer weiteren Wiederholung und einem weiteren Lernkanal viel dafür getan, das viel Stoff im Langzeitgedächtnis dauerhaft verfügbar gehalten wird. Und abwechslungsreicher wird der Lernalltag dadurch auch!“

 

Auch mal über den Tellerrand schauen

Karolina Januszkiewicz, Studium Rechtswissenschaften Ruhr Universität Bochum, student. Aushilfe C.H.BECK

 

„Fachbezogene Ehrenämter erweitern nicht nur den eigenen Horizont, sondern können Jura auf eine ganz besonders spannende Weise vermitteln.“ „Auch wenn das Jurastudium viel Zeit in Anspruch nimmt, schaut euch um. Besucht Vorlesungen, die ihr vielleicht nicht unbedingt für das Examen braucht und nehmt es für euch mit.“

 

Gelerntes laut wiederholen

Katharina Nitsch, Rechtsanwältin, Gruppenleitung Business Service & Telefonmarketing beck-shop.de

 

„Wenn ich etwas lernen will oder mich für Verhandlungen vorbereite, erzähle ich mir den Stoff immer wieder selbst. Bei mir funktioniert es am besten beim Gassi gehen mit den Hunden. Wenn ich testen möchte, ob ich etwas wirklich verstanden habe, erkläre ich es mir selber nochmal (oder den Hunden). Sinn ist, das Thema noch mal in eigenen Worten zusammenzufassen. Wenn hier noch Unsicherheiten oder Klärungsbedarf besteht, merkt man das sofort.“

 

Regelmäßig die Tageszeitung lesen

Stephan Lahl, Assessor, Gruppenleitung beck-online-Internetredaktion

 

„Mir hat zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung die regelmäßige Lektüre einer Tageszeitung mit der „Jura-Brille“ geholfen. So brachten tatsächlich in beiden Examina Prüfer jeweils ein recht aktuelles Thema vom Vortag oder Wochenende mit in die Prüfung. Es entstand ein Fach- bzw. Prüfungsgespräch, in dem es um eine erste juristische Einschätzung der jeweiligen Sachverhalte ging.“

 

Weitere Tipps aus den Redaktionen der Ausbildungszeitschriften

JA-Redaktion v.l. Bärbel Smakman, Ayla Sommer und Anna Bloch

 

Tipps aus der JA-Redaktion

 

„Das Gesetz lesen. Und ebenfalls wichtig: „Das stumpfe Auswendiglernen von Schemata ist nicht hilfreich“

Bärbel Smakman, Ass. iur., Lektoratsleiterin, Verantwortlich für die Fachgebiete: Juristische Ausbildungsliteratur

 

„Klausuren schreiben und sich nicht zu sehr stressen lassen“

„Immer zwei Normen vor und hinter der relevanten Norm im Blick haben“

Dr. iur. Anna Bloch, Ass. iur., Lektorat Studienliteratur Vahlen Jura

 

„Lerngruppen bilden und Arbeitsgemeinschaften besuchen“

„Hin und wieder Lösungen mündlich vortragen, um ein Gefühl für die ‘juristische Sprache‘ und die Qualität der eigenen Lösung zu bekommen“

Ayla Sommer, Ass. iur., Lektorat Studienliteratur Vahlen Jura

 

Hier gibt es das kostenlose Probeabo der JA.

 

Tipps aus der JuS-Redaktion - mit Jus-Artikeln

 

„Eine gute Klausurbearbeitung basteln Sie nicht mal eben aus vorgefertigten Schemata und auswendig gelernten Meinungsstreits zusammen. Geprüft wird Ihre Fähigkeit, Problemlagen strukturiert zu bewältigen, indem Sie selbst denken. Das sollten Sie ausführlich anhand realistischer Klausuren üben und am besten von einem Lernpartner korrigieren lassen. Das richtige Material finden Sie auf www.Klausurfinder.de.“

 

„Lesen Sie Hufen, JuS 2013, 1 – und dann: Selbst denken!“

 

„Die Stofffülle erfolgreich bewältigen – Prof. Dr. Lutz Lammers zeigt, wie’s geht: JuS 2015, 289.“

 

„Widmen Sie sich dem Studium mit echtem Interesse und betrachten Sie es nicht allein als ein Examenstraining – das ist das beste Examenstraining.“

 

„Methodische Grundlagen sind nicht der Not-Verbandskasten, sondern der Treibstoff. Lesen: Rüthers, JuS 2011, 865.“

 

„Argumente durchdenken, nicht bloß auswendig lernen. Wie’s geht, zeigt Neupert, JuS 2016, 489.“

 

Studenten und Referendare können hier das kostenlose Probeabo für drei Monate nutzen.

 

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