Die »Zwölf Gründe« für ein frühes Scheitern im Jurastudium

Buchauszug aus Dyrchs, „Ist Jura das Richtige für mich?“, S. 221-224

 

1. Der Student (»Ich nicht«) leidet an der Unfähigkeit, die außergewöhnliche Komplexität des rechtlichen Lernspektrums zu reduzieren und immer wieder auf einfache Alternativen zurückzuführen. Die Reduzierung ist mitnichten eine Banalisierung der Juristerei, sondern die via regis. Er drängt danach, die juristische Komplexität immer komplexer und verwirrender zu machen, bis er aus dem Labyrinth nicht mehr herausfindet. Ein sicherer Weg zum Scheitern!

2. Der Student (»Ich nicht«) scheitert am Übergang vom Schüler zum Jurastudenten, weil er sich nicht ausreichend auf das Jurastudium vorbereitet, weil er zu lange an der ausgelebten Schülergestalt festhält und somit die wichtige Studieneingangspassage verpasst. Er hat die Neigung zur Beibehaltung bestehender, oft antiquierter, träger, schulischer Wissensaneignungsverfahren, statt sich von Anfang an eine moderne, frische, völlig neue Lernorganisation durch spezifisch-juristische Lernregeln zu schaffen. Er versucht, seine angelernten Schuleigenheiten von einem System ins andere mitzunehmen. Diese erweisen sich aber im Hochschulsystem als höchst unzuverlässig.

3. Der Student (»Ich nicht«) scheitert an dem notorischen Mangel von fundierter und vor allem fundierender Einführungsliteratur und rechtsdidaktisch qualifiziertem Lehrpersonal. Am Anfang müssten die besten Professoren lehren und schreiben, danach genügen auch die schlechteren. Der Student sucht sich die falschen Lehrmeister, auch und gerade in der wuchernden Anfängerliteratur.

4. Der Student (»Ich nicht«) strauchelt an der Schwierigkeit, den Nutzen von Vorlesungen optimal für sich zu realisieren. Zu Deutsch: Der Dozent redet vor sich hin und an dem Studenten vorbei. Der Student sitzt die Zeit auf den Hörsaalbänken ohne Gewinn für sich ab. Er hat keine rechte Anleitung, mit diesen Zeitfressern umzugehen, um aus manch einer »Leerveranstaltung « eine »Lehrveranstaltung« zu machen.

5. Der Student (»Ich nicht«) verinnerlicht nicht die Erkenntnis, dass nicht das Wort des Professors sondern das des Gesetzes im Mittelpunkt des Interesses stehen muss. Die Primärliteratur ist und bleibt das Gesetz, das A und O der Juristerei; alles andere ist Bei- und häufig genug Blendwerk. Der Student geht zu selten den richtigen Weg vom Gesetz zur Literatur, vielmehr zu häufig den falschen in umgekehrter Richtung.

6. Dem Student (»Mir nicht«) mangelt es an dem Bewusstsein, wie man mit juristischen Gesetzen handwerklich umgeht und daran, dass er Probleme nicht auseinandernehmen, strukturieren und Schwerpunkte setzen kann. Hinzu kommt eine unsystematische juristische Denk- und Arbeitsweise mit dem Gesetz und dem Fall. Er beherrscht seine methodischen Werkzeuge nicht.

7. Dem Student (»Mir nicht«) fehlt eine Studienstrategie in Form kurz-, mittel- und langfristiger Studien- und Lernziele. Eine Analyse und dauerhafte Planung (das heißt Strategie) und eine notwendige Priorisierung werden schon vor Aufnahme des Studiums vermisst. Er findet keine Antworten auf die Fragen »Wie bewältige ich die Stofffülle?« – »Welche Vorlesungen erwarten mich?« – »Wie ist mein Studium aufgebaut?« – »Wie organisiere ich mein Studium?« und »Wie teile ich meine Zeit ein?« Er fühlt sich nackt, noch durch keinerlei Studienkonzept geschützt.

8. Der Student (»Ich nicht«) scheitert an seiner fehlenden Klausurentechnik. Es mangelt an der notwendigen Umsetzungskompetenz von globalem Wissen auf lokales Anwenden in Klausuren. Der Student hat nicht gelernt, wie er sein Wissen klausurentechnisch auf den Fall lenken muss. Ihm fehlt die Rechtsanwendungsmethode! Er kann sein »Schreibwerk« nicht gut genug »verkaufen«.

9. Der Student (»Ich nicht«) ist den Weg zur flüssigen Darstellung und zur überzeugenden Präsentation seiner Gedanken nie zu Ende gegangen. Sprachlosigkeit und Konturlosigkeit in seinem juristischen Schreibwerk führen zu Erfolglosigkeit. Er ist zu wenig in der Lage, in Klausuren sein Wissen so aufzubereiten, dass es in »Form« kommt und dem Korrektor gefällt. 10. Der Student (»Ich nicht«) fällt seiner Ignoranz gegenüber den überlebensnotwendigen Sekundärtugenden zum Opfer: Ordnung, Fleiß, Geduld und vor allem Disziplin. Er weiß nicht, dass diese Sekundärtugendresistenz noch verheerendere Folgen hat als fehlende Intelligenz. Sekundärtugendgesteuerte Studenten sind erfolgreicher als die nur intelligenten. Sich ausschließlich auf die Intelligenz zu verlassen, ist der verlässlichste Ausgangspunkt des Scheiterns.

11. Der Student (»Ich nicht«) merkt zu spät, dass die Anwendung des Gesetzes auch handwerkliche Tätigkeit ist und nur am Fall erfolgen kann. Das ewig wiederkehrende Spiegeln des Lebensausschnitts (Fall) im Gesetz, das methodische Spiel mit Gutachten und Subsumtion, Auslegungen und Definitionen, Analogien und Umkehrschlüssen kann der Student nicht mitspielen. Er scheitert im Chaos der methodischen Spielregeln, weil er nicht von Anfang an »am Fall« arbeitet, und zwar am Normalfall und nicht professorenverführt am »Exoten«.

12. Der Student (»Ich nicht«) schaut dem Korrektor niemals über die Schulter. Er gewinnt keine Klarheit über den Sinn der Leistungstungsnachweise und die Genealogie einer Note. Er entwickelt keine Vorstellungen über ihre Entstehung, die Bewertungskriterien, die entscheidenden Maßstäbe der juristischen Benotung.

Seit es das Studium der Rechtswissenschaft gibt, gibt es das »Massensterben« vieler Studenten gleich im Anfang. Das Unbehagen in der rechtswissenschaftlichen Nachwuchsgeneration über das »Unternehmen Jura« ist so alt wie die rechtswissenschaftlichen Fakultäten. Das müssen Sie aber nicht empfinden, wenn Sie das Steuer Ihrer Juraidee vom ersten Tag an selbst in die Hand nehmen, mit dessen Hilfe Sie dorthin gelangen, wohin Sie vielleicht sonst nie gekommen wären: Das 1. Semester mit aufbruchsfroher Lust zu beginnen und erfolgreich zu beenden. Aber vielen Jurastudenten fehlt es gerade im Übergang von der Schule an diesem Wissen und Können, weil es ihnen niemand erklärt hat, sie es nie so richtig gelernt und verstanden haben und den Gang und die Ziele ihres Studiums nicht kennen. Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige (Seneca).

 

Dyrchs

Ist JURA das Richtige für mich?

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