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Souverän in der Video-Konferenz

Homeoffice ist heute normal. Corona wirkte wie ein Tuning auf die Entwicklung der Arbeitswelt und unsere Methoden. Und ebenso normal wie das Homeoffice im Allgemeinen sind heute Video-Konferenzen. Allerdings kann man hier als Anwalt oder Mitarbeiter in einer Kanzlei oder Rechtsabteilung auch ganz schönen Mist bauen.
Hier die wichtigsten Tipps für ein souveränes Auftreten von Liane Allmann.

 

„I am not a cat“ – der Anwalt und der Zoom-Filter

Vor gut einem Monat ging ein Video viral. Zu sehen eine Gerichtsanhörung per Video-Konferenz. Weiterhin zu sehen: Ein Teilnehmer (ein Anwalt) verwendete einen Zoom-Filter und war als Katze in der Verhandlung zu sehen. Er tat das nicht bewusst, konnte aber den Filter nicht deaktivieren. Ganz sicher hätte eine übliche Anhörung diese Aufmerksamkeit nicht bekommen. Und so witzig das Video der Konferenz dann auch war – irgendwie ließ es auch beklommen zurück. Denn das könnte wohl uns allen passieren, wenn wir mit einem Programm an einer Video-Konferenz teilnehmen, das wir nicht kennen und ganz offensichtlich noch nicht ausprobiert haben.

 

Was ist meine Rolle in der Video-Konferenz?

Neben all den Dingen wie Anwendungsroutine und guter Technik sollte sich vor einer Video-Konferenz jeder die Frage stellen, was seine Rolle ist: Bin ich gerade als Berater unterwegs oder nur als Teilnehmer? Muss ich überzeugen und Souveränität ausstrahlen? Muss ich schlichten oder maximale Serviceorientierung rüberbringen? Wie wirkt sich diese Rolle in der Eigenpräsentation aus? Denken Sie vom Ende her – also ergebnisorientiert – und bleiben Sie genau in dieser Rolle, die Sie für sich definiert haben. Wenn Sie Vorgesetzter sind, leben Sie genau das vor, was Sie von Ihren Mitarbeitern erwarten.


Atmosphärische Tipps für souveräne Video-Konferenzen

  1. Seien Sie pünktlich, vielleicht sogar ein wenig überpünktlich. Pünktlichkeit bedeutet Wertschätzung – egal in welcher Rolle.
  2. Kamera an oder aus? Beides kann Sinn machen. Aber wer grundsätzlich die Kamera aus hat, muss damit rechnen, dass man ihn als unhöflich empfindet oder als jemanden, „der im Dunkeln bleiben“ möchte. Was immer Sie tun, machen Sie sich das bewusst. Wenn die Kamera aus Qualitätsgründen ausbleiben soll, sollte das formuliert werden. Dafür hat jeder Verständnis.
  3. Alles eine Frage der Perspektive? Ja! Überlegen Sie sich genau, was der andere sieht, wenn er in Ihr Homeoffice schaut. Und weil es nicht nur das Video des Katzenanwalts gibt, sondern auch viele Beispiele dafür, dass Familienmitglieder halb bekleidet durch die Videokonferenz tingeln, hier noch ein Tipp: Sagen Sie den in Ihrem Hausstand lebenden Menschen Bescheid, ab wann Sie online sind. Das eliminiert die Gefahr des Video-Konferenz-Bombings nicht, verringert sie aber ungemein.
  4. Professionelle Hintergründe können Sinn machen. Sie sind aber auch immer eines: steril. Künstliche Hintergründe schaffen Distanz und bedienen nicht das Bedürfnis anderer, Sie als Mensch und persönlich kennenzulernen. Wählen Sie also ganz bewusst, wie Sie sich präsentieren wollen. Manchmal muss es eben auch Distanz sein.
  5. Das Licht hat einen ganz besonderen Einfluss. Gut ist, wenn das Licht von vorn oder seitlich kommt. Tageslicht ist natürlich perfekt. Doof ist, wenn das Licht in Ihrem Rücken ist. Dann sieht Ihr Gegenüber Sie fast gar nicht, weil ein Gegenlicht-Effekt geschaffen wird. Das wirkt nicht nur unprofessionell, sondern auch unachtsam.
  6. Wer es ermöglichen kann, sollte in Video-Konferenzen und auch bei Vorträgen stehen. Es sieht einfach besser aus, Sie wirken im Zweifel nicht so, als würden Sie sich herumfläzen und Sie haben die Möglichkeit, auch Ihre Hände mit ins Gespräch zu nehmen. Das wirkt engagierter und sympathischer.
  7. Ich erlebe in Video-Konferenzen häufig, dass auf einen Laptop heruntergeschaut wird. Das wirkt sich auf die Perspektive eher negativ aus. Sie werden von unten aufgenommen. Ich hatte schon Veranstaltungen, da konnte ich die Nasenhaare zählen. Das ist dann, bei allem Interesse am Menschen hinter der beruflichen Verbindung, zu nah.
  8. Der Ton macht die Musik – so auch in der Video-Konferenz. Grundsätzlich ist es so, dass beim Mikro das Kabel Bluetooth schlägt. Die Tonqualität wird bei Video-Übertragungen ohnehin verändert und gerade bei Frauen vermindert sich der Tonumfang. Nutzen Sie einen kabelgebundenen Kopfhörer oder ein Headset mit Kabel.

Video-Konferenzen werden uns sicher noch sehr lange begleiten. Aber gerade für Anwälte ist es wichtig, auch digital schnell Vertrauen aufzubauen, denn sie verkaufen eine vertrauensbasierte Dienstleistung.

Die Autorin

Liane Allmann studierte Internationale Betriebswirtschaftslehre. Sie befasst sich seit knapp 20 Jahren mit Vertriebsthemen für Wirtschaftskanzleien und leitete elf Jahre lang die Geschäftsstelle des internationalen Anwaltsnetzwerks Eurojuris Deutschland e.V. Sie ist Inhaberin der Agentur Kitty&Cie – und entwickelt Kommunikationsstrategien und Vertriebsmanagement für Anwälte und Kanzleien.

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