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Jurastudium: Tipps zu Nebenjobs und Lehrangeboten

Alexander Bleckat und Florian Specht, die Autoren des Buchs „Jura geht auch anders – Ein Leitfaden für einerfolgreiches und gelassenes Jurastudium“ sprechen im Interview darüber, wie sie schon während des Jurastudiums Praxiserfahrung sammelten – und warum ein Blick über den Tellerrand durchaus lohnen kann.

 

 

beck-shop.de: Sie greifen in Ihrem Buch „Jura geht auch anders“ neben speziellen Studienthemen auch das Thema Arbeiten neben dem Studium auf. Welche studentischen Jobs haben Sie gemacht?

 

Florian Specht: Parallel zu meinem Studium habe ich knapp fünf Jahre als studentischer und später als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Kanzlei gearbeitet sowie ein Erstsemestertutorium betreut.

 

beck-shop.de: Was haben Sie mitgenommen?

 

Diese gelebte Erfahrung “wofür” hat mir auch über anstrengende Phasen des Studiums hinweg geholfen.  Die Arbeit in der Praxis hat mir ebenfalls gezeigt, wie ich das Gelernte auch praktisch und gewinnbringend anwenden kann. Dem Mandanten bringt die juristische Argumentation entlang der Meinung der Literatur später wenig, wenn er dadurch seinen Rechtsstreit verliert. Ich kann mich noch gut an mein allererstes Gutachten erinnern, dass ich damals ganz stolz an den betreuenden Anwalt abgegeben habe. Die mühsam ausgearbeiteten Streitentscheide waren für die Praxis einfach nicht zu gebrauchen.  

 

beck-shop.de: Welche juristischen Lehr- und Fortbildungsangebote haben Sie wahrgenommen? Und wie waren Ihre Erfahrungen?

 

Florian Specht: Rückblickend waren es gerade Nebenkurse und nicht die starr vorgegebenen Hauptveranstaltungen, die mir den größten Spaß im Studium gebracht haben. Hier brennen die Dozenten richtig für ihre Sache, können begeistern und erweitern den Horizont.

 

Alexander Bleckat: An der Universität Hannover wird ein anwaltsorientiertes Zertifikatsstudium (auch Advo-Z genannt) angeboten. Dieses umfasste Lehrveranstaltungen und Prüfungsleistungen unter anderem zu den Problematiken in der Strafverteidigung, dem Kanzleimanagement, der Vertragsgestaltung und dem anwaltlichen Berufsrecht. Florian und ich haben dieses Zertifikatsstudium neben dem Jurastudium erfolgreich absolviert. Eine Prüfungsleistung war auch die Simulation einer Gerichtsverhandlung samt der Erstellung von Schriftsätzen (Moot Court). Aufgrund des Praxiskontakts war die Erfahrung durchweg positiv. Sofern man Zeit für solche Lehr- und Fortbildungsmöglichkeiten hat, sollte man sie auf jeden Fall wahrnehmen.

 

Florian Specht: Die Universitäten bieten aber viele und tolle Möglichkeiten, gerade auch über das Jurastudium hinaus. Richtig gut waren z.B. auch zwei Semester Italienisch am Fachsprachenzentrum der Uni oder die Segelstunden mit dem akademischen Segelverein. Meine Segelscheine habe ich während der Examensvorbereitung gemacht. Das war nicht nur ein guter sportlicher Ausgleich. Man fokussiert sich nicht nur einseitig auf Jura, sondern ist durch die Segelprüfung auch “gezwungen” sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Ein wenig Abstand ist wichtig, um auch mal den Kopf frei zu bekommen und auf andere Leute zu treffen. Das Leben spielt auch auf anderen Plätzen.

 

beck-shop.de: Unter dem Punkt Legal Tech erläutern Sie, dass sich die Rechtsbranche im Umbruch befindet. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Umbrüche?

 

Florian Specht: Gerade die anwaltliche Arbeit wird sich durch Legal Tech stark verändern. Mandanten können sich heute durch das Internet viel besser über ihr Problem informieren und finden im Netz teilweise kostengünstigere Beratungsangebote als den klassischen Anwalt. Neben eine überzeugende Beratung tritt künftig der Kundenservice als das entscheidende Auswahlkriterium: Schnelligkeit, Erreichbarkeit, Branchenverständnis des Kunden, Empathie und Freundlichkeit sind für jeden Mandanten bewertbar. Auf der anderen Seite verändert Technik unsere Arbeit. Die Durchsicht von Verträgen oder das Erstellen von Texten kann Software viel schneller, besser und sicherer als ein Anwalt. In Zukunft werden immer mehr Kanzleien auf derartige Assistenzsysteme umrüsten müssen, um überhaupt wirtschaftlich arbeiten zu können. Daran schließen sich viele Fragen an: Was mache ich mit der frei gewordenen Zeit? Wie fange ich die niedrigeren Beratungspreise auf? Wie reagiere ich auf das Prinzip “the-Winner-takes-it-all” der Digitalisierung? Aber auch: Was macht die Digitalisierung mit unserem Recht und der Rechtsfortbildung?

 

beck-shop.de: Und wie muss das Jurastudium auf die Legal-Tech-Veränderungen reagieren?

 

Florian Specht: Das Studium muss darauf vorbereiten. Dabei denke ich nicht, dass wir  jetzt alle Programmierkurse belegen müssen. Bei dem Ruf nach mehr interdisziplinärer Arbeit sollten wir auch nicht vergessen, dass das mit der Ausbildung zum Einheitsjuristen anfängt. Was wir aber brauchen werden, ist ein grundlegendes Verständnis technischer Prozesse sowie Kreativität hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeiten.

 

beck-shop.de: Gibt es schon erste Veränderungen im Studium?

 

Florian Specht: Im letzten Jahr sind erste Legal Tech Veranstaltungen an den Start gegangen, allerdings oft nur aufgrund studentischer Initiativen. Bei den universitären Angeboten, mit denen ich mich ausgetauscht habe, geht der Trend klar dahin, dass zunächst ein paar Grundlagen vermittelt werden, auf die dann praktische Einheiten folgen, in denen das Erlernte ausprobiert und ausgetestet werden kann. Das müssen die Unis insgesamt mittragen und die Studierenden dürfen das Ganze nicht als zusätzlichen Schein begreifen, den man jetzt in seinem Lebenslauf nachweisen muss. Es braucht ein ganz neues Mindset. Vielleicht führen wir zwischen den Unis in ein paar Jahren bundesweite Legal Tech Wettbewerbe aus, so wie wir das bereits mit den Moot Courts kennen. Eine sog. Legal Tech Competition hat dieses Jahr etwa Hogan Lovells um Nico Kuhlmann gestartet.

 

Alexander Bleckat: Ich glaube aber nicht, dass Legal Tech in den Pflichtfachstoff des Staatsexamens aufgenommen wird, weil es aus meiner Sicht nicht realisierbar ist, die entsprechenden Kenntnisse in einer gutachterlichen Examensklausur unterzubringen. Dennoch wäre es sinnvoll, wenn es eine Grundlagenveranstaltung im Rahmen der Zwischenprüfung geben oder Legal Tech als Schwerpunktarbeitsthema gestellt werden würde.

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