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Jura-Studium: Alternative Lernstrategien über das Repetitorium hinaus

Scheinbare Sicherheit durch Repetitorien – eine kritische Betrachtung von Professor Dr. Erwin Hoffmann

 

Wer Jura studiert, tut dies, um zu bestehen, vielleicht sogar, um mit einem ordentlichen Ergebnis zu bestehen. Für die Examensvorbereitung wählen daher viele Studierende im Jura-Studium „sicherheitshalber“ den Weg in die Repetitorien.

Hier soll das in den Vorlesungen aufgenommene Wissen in den entsprechenden Rechtsgebieten durch zusätzliche Wiederholung gefestigt werden. Fraglich ist allerdings, ob mit dieser Methode die Lernleistung tatsächlich steigt.

Grundsätzlich ist an Wiederholungen natürlich nichts auszusetzen. Das Problem liegt in der Methodik: Im Repetitorium wird im Grunde die gleiche Methode angewendet, wie in der Vorlesung - nämlich der Frontalunterricht; und man muss mit Recht fragen, weshalb eine Wiederholung zu besseren Ergebnissen führen soll, wenn sich die Vermittlungsmethode nicht von der Methode unterscheidet, die offenbar schon vorher nicht ausreichte. Die Anbieter der Repetitorien scheinen entweder anzunehmen, dass alle Studierenden im Wesentlichen mit dem auditiven Lernkanal lernen oder sie möchten dem Hang von Examenskandidaten nach Passivität im Lernprozess entgegenkommen. Letztere glauben möglicherweise, dass das Zuhören beim Vortrag ausreicht, um zu lernen.

 

Selbst-Lern-Alternativen

Eine rein „auditive Frontalberieselung“ kann keinen hohen Lerneffekt erreichen. Es existieren viele wesentlich intensiver wirkende alternative Lern- und Arbeitsmethoden, um umfangreichen Lernstoff nachhaltig einzuprägen. Das Zauberwort lautet hier aber „Selbstverantwortung“:

  • Nutzung aller Lernkanäle und Kombination verschiedener Lerntechniken: Je mehr Sinne am Lernen beteiligt sind, desto leichter nehmen wir Wissen auf, speichern es und können es entsprechend abrufen. Selbst wenn man ein ausgeprägter auditiver Lerntyp sein sollte, profitiert man davon, wenn man den Lernstoff auf vielfältigste Arten aufbereitet und auch mit den anderen Lernkanälen (visuell und haptisch) lernt. Fakt ist aber auch: Wir behalten am meisten von dem, was wir selbst praktisch tun. Analog zur Nutzung der verschiedenen Lernkanäle sollten auch entsprechende Lerntechniken kombiniert werden, die den Lernkanälen entsprechen: Mit erprobten Lerntechniken wie Lernkarten, Lernpostern, Mitschriften, Lese- und Mnemotechniken, eigenen Audioaufnahmen von Lerntexten etc. lässt sich Stoff auch in Eigenarbeit nachhaltig verinnerlichen.
  • Lerngruppen: In einer Lerngruppe lassen sich Synergien nutzen, man kann sich gegenseitig motivieren und die Mitglieder können dabei helfen, den „Inneren Schweinehund“ in schwierigen Lernphasen zu überwinden. Wer nur alleine lernt, kann die subjektive (objektiv aber möglichweise falsche) Annahme entwickeln, alles verstanden zu haben. Das gemeinsame Lernen in der Gruppe ermöglicht das Anzapfen mehrere Quellen (= die Gruppenmitglieder) für die Lösungsfindung, sodass mehr Ideen, Standpunkte, Meinungen, Spezialwissen und Vorschläge für die Prüfungsvorbereitung berücksichtigt werden können. Die Diskussion in der Gruppe führt zu einem vertieften Verständnis des Themas. Außerdem kann die Vorbereitung in der Gruppe mit Gleichgesinnten Prüfungsängste reduzieren.
  • Zielsetzung und Lernplanung: Neben der reinen fachlichen Vorbereitung und der Orientierung am Lernstoff wird der Planung des Lernens leider oft zu wenig Beachtung geschenkt. Im Ergebnis führt eine unsystematische Vorgehensweise aber oft zum typischen „Durchwursteln“ durch die Prüfungsvorbereitung, mit all den klassischen Nebenerscheinungen, wie „sich verzetteln“, Prüfungsstress und Lernunlust. Jede Examensvorbereitung lässt sich wie ein Projekt begreifen, bei dem ein Ziel gesetzt wird (gewünschte Note) und der Weg zum Ziel geplant und die Umsetzung des Plans organisiert wird: Was sollte in der Woche und am jeweiligen Tag in welcher Reihenfolge getan werden und wie lässt sich das soziale Umfeld bei der Planung des Lernprojektes einbeziehen? Außerdem sollte regelmäßig – im Sinne eines Projektcontrollings - überprüft werden, wie erfolgreich man gerade im Lernprozess ist.

 

Was nicht hilft: Aufschieberitis und Bulimielernen

Die eigene Wohnung ist nie aufgeräumter, als während der Zeit der Prüfungsvorbereitung. Tatsächlich scheint es viele Dinge zu geben, die Menschen während der Lernphase lieber tun, als sich um den Lernstoff zu kümmern. Da wird stattdessen gestaubsaugt, geputzt, gespült, aufgeräumt, aber auch eingekauft, telefoniert, im Internet gesurft oder ferngesehen. Gleichzeitig verschiebt sich die Prüfungsvorbereitung immer weiter nach hinten auf den Prüfungszeitpunkt hin.

Bei vielen Studierenden ist zudem das „Bulimielernen“ verbreitet. Gemeint ist damit, als Lerner erst kurz vor der Prüfung ganz viel Lernstoff in sich „hineinzustopfen“, um es dann kurze Zeit später bei der Prüfung wieder von sich zu geben. Stetiges und langfristiges Lernen für die Prüfungsphase kommt bei diesen Lernern zu kurz.

Gerade aber für den langfristigen und sicheren Wissensaufbau ist es wesentlich sinnvoller, den Lernstoff rechtzeitig und regelmäßig durchzugehen. Das bringt wesentlich mehr als ein Lernmarathon kurz vor der Prüfung. Denn: Regelmäßig Gelerntes bleibt eher hängen und erhöht die Chance auf das Bestehen und eine gute Note.

 

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Der Autor

Professor Dr. rer. soc. Erwin Hoffmann,

Dekan für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius, schloss vor seiner Promotion drei Studiengänge erfolgreich ab und hat mittlerweile eine 20jährige Erfahrung in der Abnahme akademischer Prüfungen in sehr unterschiedlichen Fächern.

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