Sasse

Zwischen Tugend und Laster

Weibliche Rollenbilder in den Tragedi und Comedi des Hans Sachs

Reichert Verlag

ISBN 978-3-95490-403-7

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Bibliografische Daten

Fachbuch

Buch. Hardcover

2020

Umfang: 416 S.

Format (B x L): 17 x 24 cm

Gewicht: 823

Verlag: Reichert Verlag

ISBN: 978-3-95490-403-7

Produktbeschreibung

Barbara Sasse provides the first detailed analyses of a representative corpus of the plays, the so-called tragedi and comedi, written by the Noremberg shoemaker Hans Sachs (1494-1576) in the middle of the 16th century. For each play is offered a thorough examination of its intertextual frames of reference ; this includes both the literary sources, which Sachs usually conveyed via contemporary German translation, and his own motivic related master songs and rhymed stories (Spruchgedichte). This makes it possible to describe the author's dramaturgical methods more precisely and, in particular, the relationship between acting and moral instruction. Lastly, a closer look at Sachs’ sources also more clearly reveals the author's crucial contribution to both the reception and popularisation of the various European literatures in the German-speaking territories of the 16th century and beyond. In particular, the study focuses on the numerous female characters in the plays. Sachs, who was enormously interested in literature, drew inspiration for these from the whole Western literary tradition accessible to him, especially on the contemporary book market: the authors of classical antiquity, the spiritual and secular literature of the European Middle Ages and the Italian Humanists. Female figures assume a key function throughout in the contemporary topics discussed in the play, primarily the Lutheran doctrine and its model of marriage and family, but also the political and social discourses of order. In genre-specific terms, the new "serious" drama proves to be a creative virtual space for exhibiting new female attributes and potentials for action, which inevitably bring out subliminal contradictions to the collective moral concepts promoted in the appended doctrine. Conversely, however, the teaching often supports literary discourse, for example by linking female vices back to male misconduct, thus rebalancing the one-sided scolding of women within the framework of an essentially bilateral-structured marriage discourse. The aim of the book is to make a significant contribution to Sachs’ research in German studies. With the tragedi and comedi, a text corpus and a genre were chosen that have received little attention, especially in more recent studies, in which there have been a clear preference to focus on the master songs. In particular, the book is a quasi-complementary addition to the study by Johannes Rettelbach on the "non-dramatic poems of Hans Sachs", published in 2019 also in the "Imagines Medii Aevi" series.
Der Nürnberger Schuhmacher Hans Sachs (1494-1576) verfasste neben Meisterliedern, gereimten Erzählungen (sog. „Spruchgedichten“), Fastnachtspielen und einigen Prosadialogen insgesamt 167 von ihm selbst so bezeichnete tragedi und comedi. Zielpublikum war die untere stadtbürgerliche Mittelschicht der Handwerker, die sozial und intellektuell vom Kulturleben der humanistischen Bildungselite ihrer Heimatstadt ausgeschlossen war. Seit ca. 1550 erlebte die neue Theaterform zudem eine frühe Institutionalisierung; unter Sachs’ Leitung bildete sich ein „festes Ensemble“ und der Spielbetrieb wurde an eigens ausgewiesene Orte wie die säkularisierte Marthakirche verlagert. Barbara Sasse analysiert erstmals ausführlich ein repräsentatives Korpus von Dramen, in denen weibliche Figuren eine Hauptrolle spielen. Den Ausgangspunkt dafür bildet eine genaue Rekonstruktion der jeweiligen intertextuellen Bezugsrahmen. Neben den literarischen Prätexten, die Sachs durchweg über (zeitgenössische) deutsche Übersetzungen rezipierte, werden auch seine eigenen motiv- und stoffverwandten Meisterlieder und Spruchgedichte berücksichtigt. Die so gewonnenen Einsichten ermöglichen insgesamt, das dramaturgische Instrumentarium des Autors präziser zu beschreiben sowie insbesondere das Verhältnis von Spiel und angehängter Lehre differenzierter auszuloten. Nicht zuletzt wird so der bedeutende Stellenwert gewürdigt, den Sachs gerade auch mit seinen dramatischen Adaptionen für den europäischen Literaturtransfer in den deutschen Sprachraum seiner Zeit und darüber hinaus beanspruchen darf. Die zahlreichen weiblichen Dramenfiguren entlehnte der literarisch ungeheuer interessierte Sachs einer breiten abendländischer Literaturtradition: von der klassischen Antike über die geistliche und weltliche Literatur des europäischen Mittelalters bis zu den italienischen Humanisten. Innerhalb des Spiels fällt diesen Figuren stets eine Schlüsselfunktion für die mitverhandelten aktuellen Diskurse zu, vorrangig die luthersche Glaubenslehre und das von ihr propagierte Ehe- und Familienmodell, aber auch den politischen Ordnungsdiskurs. Das „ernste“ Drama erweist sich dabei als kreativer virtueller Raum für die Inszenierung neuer weiblicher Zuschreibungen und Handlungspotenziale, die zwangsläufig unterschwellige Widersprüche zu den in der Lehre eingeforderten kollektiven Moralvorstellungen provozieren. Umgekehrt unterstützt die Lehre aber häufig auch den dramatischen Diskurs, indem sie beispielsweise weibliche Laster an männliches Fehlverhalten zurückbindet und somit die einseitige Frauenschelte im Rahmen eines grundsätzlich bilateral konzipierten Ehediskurses neu ausbalanciert. Das Buch versteht sich als substantieller Beitrag zur germanistischen Sachs-Forschung. Mit den tragedi und comedi wurden ein Textkorpus und eine Gattung gewählt, die gerade in der jüngeren, eindeutig die Meisterlieder präferierenden Literatur wenig Beachtung gefunden haben. Quasi komplementär ergänzt wird insbesondere die jüngste, ebenfalls in der „Imagines Medii Aevi“-Reihe erschienene Studie Johannes Rettelbachs zu den „nicht-dramatischen Dichtungen des Hans Sachs“.

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Dr. Ludwig Reichert Verlag Inhaberin Ursula Reichert

Tauernstraße 11
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