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Meine Lerntaktik: 5 Tipps für eine perfekte Examensvorbereitung

Während des Studiums und jetzt nach meinem Examen wurde und werde ich vor allem eines gefragt: „Wie lernst Du für das Jura-Studium und das Examen?“ – eine wirklich gute Frage, da die Antwort dazu für jeden Studenten und Referendaren elementar ist. „Aus Fehlern lernt man“ trifft auch beim Lernen gut zu. Es gibt natürlich kein „Allheilmittel“. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen, Fehler ausmerzen und erkunden, welche Lerntaktiken und Materialien am besten zum eigenen Lerntyp passen.

Ich möchte Euch aber gerne an meinen eigenen Erfahrungen und auch Fehlern teilhaben lassen. Denn wenn man mich fragt, wie mein „Lernmodell“ aussieht, dann kann ich das auf fünf Bereiche herunterbrechen:

1. Finde Deinen individuellen Lerntyp heraus

Aus der Forschung ist bekannt, dass es nicht nur einen Lerntyp gibt. Vielmehr gibt es vier verschiedene: Den visuellen, auditiven, motorischen und kommunikativen. Selten jedoch gehört man nur zu einem dieser Typen, vielmehr vereint man verschiedene in sich – und das auch noch zu unterschiedlichen Anteilen. Um diese zu identifizieren, kann einem nur die eigene Erfahrung weiterhelfen.

Schon aus der Schulzeit sollte man einigermaßen wissen, wie man selbst am besten den Stoff behält. Wenn nicht, dann solltet ihr schnell herausfinden, welche Methode für euch am besten passt – entweder durch Ausprobieren oder einen der zahlreichen Internettests.

2. Das richtige Zeitmanagement

Wenn ihr herausgefunden habt, welche Lernmethode am besten zu euch passt, dann braucht ihr nur noch genug Zeit, diese auch anzuwenden. Jeder kennt sie und die meisten von euch haben sie vermutlich auch schon mal selbst angewendet: Die „Ich kann unter Druck viel besser lernen“-Aussage. Wenn man jedoch in sich hineinhorcht und reflektiert, dann fällt einem sofort auf, dass es sich nur um eine Ausrede handelt. Denn unter Druck lernt es sich sogar am schlechtesten.

Ein miserables Zeitmanagement führt eher dazu, dass man gegen Ende an den falschen Stellen des Stoffs Abstriche machen muss, weil die Zeit einfach nicht mehr reicht. Daher ist es elementar, sich ein gutes Zeitmanagement aufzubauen, im Zweifel mit einem Lernplan.

Nehmt euch genug Zeit, denn – wer kennt es nicht – das Lernen dauert immer länger, als man glaubt. Und ihr werdet auch merken, dass es sich viel entspannter, effektiver, besser und gezielter lernen lässt, wenn ihr genug Zeit habt und auch mal eine Pause zwischendurch möglich ist.

3. Die richtige Work-Life-Balance

Mit dem richtigen Zeitmanagement ist es nämlich auch möglich, die passende Kombination aus Arbeit und Leben zu finden. Denn wer aus Zeitgründen in zwei Wochen den Stoff lernen muss, für den er eigentlich vier Wochen braucht, wird kaum Gelegenheit haben, sein Leben auch in dieser Zeit zu genießen. Und doch ist dies sehr wichtig! Denn Stress und durchgemachte Tage und Nächte wirken sich erwiesenermaßen schlecht auf das eigene Lernverhalten aus.

Es ist daher unbedingt zu empfehlen, sich auch mal Zeit für sich, für Familie, Freunde oder Sport und andere Hobbys zu nehmen. Denn ohne hält man es kaum eine ganze Klausuren- oder gar Examensphase aus. Euer „Lern-Ich“ wird es euch danken. Denn wer zur richtigen Zeit die richtige Menge an Freizeitaktivitäten in seinen Lernplan einbaut und auch einbauen kann, wird effektiver und besser lernen können. Garantiert!

4. Die richtigen Materialien

Gerade Jurastudenten kennen das Problem. Während z.B. Mediziner oft nur zwischen zwei, drei Lehrbüchern auswählen müssen, haben es angehende Juristen schon schwerer. Dutzende Lehrbücher, Skripten, Loseblattmaterialien, Karteikarten, Hörbücher, YouTube-Kanäle und E-Books stehen zur Verfügung. Pro Rechtsgebiet. Pro Teilgebiet.

Und dann gibt es noch zig Anbieter, die sich mitunter stark unterscheiden. Nicht umsonst ist oft die rechtswissenschaftliche Abteilung in Buchhandlungen am größten. Daher gilt es auch hier, die Materialien nach seinen individuellen Eigenschaften und Bedürfnissen auszuwählen.

Ich persönlich vereine in mir eine Kombination aus visuellem, auditivem und motorischem Lerntyp. Daher lerne ich am besten mit einer Mischung aus Textsammlungen (Skripten und Lehrbüchern) und Karteikarten. Seit neuestem auch Videos. Wenn ich nun ein neues Teilgebiet lernen möchte, dann gehe ich immer nach dem gleichen Schema vor:

Ich greife zu den Vorlesungsmaterialien oder – im Repetitorium – zu den Loseblattmaterialien des jeweiligen Anbieters. Diese genügen, um sich einen ordentlichen Überblick darüber zu verschaffen, was alles zu lernen ist.

Danach suche ich mir ein Skript aus. Ich bevorzuge die Skripten von Alpmann Schmidt, da diese detailliert genug sind, aber nichts Unnötiges aufschlüsseln. Wer im ersten Semester eine Klausur schreibt oder einen kleinen Schein machen muss, der kommt mit einem eher übersichtlichen Anfänger-Skript sehr gut klar. Dazu eignen sich die Basis-Skripte. In der Examensvorbereitung habe ich dann auf die detaillierten Examensskripte umgestellt, da diese den Stoff vermitteln, der jetzt notwendig ist, in den Basis-Skripten aber oft nur angeschnitten oder gar nicht erwähnt wird. Auch wenn viele Professoren gerne Lehrbücher empfehlen, bin ich der Meinung, dass diese nur ergänzend notwendig sind.

Damit kommen wir auch schon zur dritten Säule meiner Lernmaterialien: Den Lehrbüchern. Wenn ich das richtige Skript ausgewählt habe, fange ich erst einmal an, darin zu lesen. Nach jedem Kapitel greife ich zu dem von mir ausgewählten und im Idealfall vom Professor empfohlenen Lehrbuch. Dort schaue ich dann nach (meist nur überfliegend), ob irgendwas detailliert aufgeschlüsselt ist, was im Skript vielleicht nur angeschnitten wird.

Professoren empfehlen bestimmte Lehrbücher meist nicht ohne Grund. Sie setzen die Schwerpunkte dann meist so wie der Autor des Lehrbuchs. Die Kombination aus Skript und Lehrbuch, aus Detailwissen und Kompaktstoff, reicht vollkommen, um mir das notwendige Wissen zu vermitteln. In der Examensvorbereitung aber habe ich das Lernen mit Lehrbüchern stark reduziert und nur noch dazu gegriffen, wenn ich ein bestimmtes Thema nicht verstanden hatte.

Habe ich ein Kapitel beendet, dann geht es bei mir an die Karteikarten. Da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man schreibt sie sich selbst oder man greift zu den vorgefertigten. Ich kombiniere gern beides. Der Vorteil der selbst geschriebenen Karteikarten liegt auf der Hand: Man muss diese erst einmal anfertigen. Beim Schreiben lernt und wiederholt man bereits etwas und befriedigt seinen motorischen Lerntyp.

Zusätzlich nutze ich gerne die vorgefertigten Karteikarten der zahlreichen Anbieter. Wer vielleicht schon einen Repetico-Zugang hat oder sich einen besorgen möchte, sollte die App auch nutzen.

Wenn ich mit den selbst geschriebenen Karteikarten für ein Kapitel fertig bin, sortiere ich sie an die richtige Stelle zu den vorgefertigten Karten. Dann gehe ich sie zweimal durch. Zuerst lese ich jede Karte und versuche mir Wichtiges durch Zudecken des jeweiligen Teils einzuprägen. Bin ich mit dem ersten Durchgang fertig, fange ich von vorne an. Nur diesmal lese ich die Karteikarten nicht einfach durch, sondern „wiederhole“ sie.

Seit Mitte des Studiums kam bei mir noch eine fünfte Säule hinzu: YouTube-Videos. Die Themen, bei denen ich gemerkt habe, dass es noch hakt, schaue ich mir dann als Video an. Im Zweifel mehrmals. Irgendwann kann ich fast mitsprechen – dann sitzt der Stoff!

Alle Säulen zusammen ergeben für mich das beste Lernergebnis: Materialien, Skripte bzw. Lehrbücher, Karteikarten und Videos. Jeweils Kapitel für Kapitel. Mitunter mehrfach und im Wechsel.

Damit habe ich dann so gut wie alle Lerntypen abgedeckt und bin gut vorbereitet für die letzte Etappe des Lernens – die Wiederholung. Diese Phase sollte man auf keinen Fall unterschätzen, denn das Kurzzeitgedächtnis ist hilfreicher, als man glaubt. Kurz vor der Klausur, wenn ich alle Kapitel durchgearbeitet habe, lege ich die Materialien, Skripten und Lehrbücher beiseite und wiederhole nur noch mit den Karteikarten. Ich empfehle jedem, sich eine Box dafür zu kaufen oder zu basteln. Wenn man dazu noch eine App wie Repetico benutzt, kann man eigentlich nichts mehr falsch machen.

Klar, das hört sich jetzt alles nach sehr viel Aufwand an. Aber wer ein gutes Zeitmanagement hat, hat vor der Klausur bzw. vor Beginn der Examensklausuren noch genug Zeit, in Ruhe und ohne Zeitdruck alle Karteikarten und Repetico-Kapitel zu wiederholen.

5. Die sechste Säule: Klausuren, Klausuren, Klausuren, Fälle, Fälle, Fälle

Wer meint, nach all der Wiederholung den Stoff zu beherrschen, der ist bereit für die sechste – und meiner Meinung nach wichtigste – Säule, denn sie befriedigt den motorischen Lerntyp wie keine andere: Die Anwendung des Stoffes.

In Bezug auf Klausuren und Fälle gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder lernbegleitend oder als Abschluss am Ende der Lernphase. Da muss jeder schauen, womit er besser klarkommt. Ich selbst wende lieber das Gelernte direkt an kleinen Fällen an, bis der Stoff sitzt. So kann ich, wenn ich merke, es hakt, eben in den Materialien nachschauen. Das hilft ungemein, Lücken zu füllen.

Wenn der Stoff dann vollständig sitzt, dann wage ich mich an die großen Klausuren und Fälle. So erkenne ich am besten, ob ich neben dem Inhalt auch die Systematik verstanden habe. Man sollte jedenfalls vor der Klausur und auf jeden Fall vor dem Examen einige Klausuren unter Realbedingungen bearbeiten. Die Auswahl ist auch hier groß.

Es gibt Fallbücher, die an das jeweilige Lehrbuch angelehnt sind, oder aber auch Fallskripten. Wer nicht noch ein weiteres Buch in sein Regal stellen will, kann natürlich auch die kurzen Fälle aus den Lehrbüchern und Skripten bearbeiten und erst anschließend in die Lösung schauen.

Wer lieber intensiver übt, der kann sich zu einem Klausurenkurs anmelden. Zur Vorbereitung einer Klausur an der Uni ist dies nicht wirklich erforderlich, aber gerade vor dem Examen sollte man darauf nicht verzichten. Hier empfehle ich, mehrgleisig zu fahren.

Wer im Repetitorium ist, hat meistens einen kursbegleitenden Klausurenkurs inklusive. Oft bietet die jeweilige Universität im Rahmen des Uni-Reps ebenfalls solche Kurse an. Zusätzlich gibt es auch Fernklausurenkurse bei den namhaften Repetitorien-Anbietern. Dabei wird die handgeschriebene Klausur eingeschickt und man erhält sie wenig später mit Randbemerkungen versehen und einem computerschriftlichen Votum zurück.

Entscheidet man sich für zwei von diesen drei möglichen Klausurenkursen und nimmt auch regelmäßig an diesen Angeboten teil, sollte dem Examen nichts mehr im Weg stehen.

6. Fazit

Ich hoffe sehr, dass ich euch einen guten Einblick in meine Lernwelt geben konnte. Natürlich hängt meine Art zu lernen von meinen subjektiven Bedürfnissen, Ansprüchen und Zielen ab, aber ein paar generelle Tipps konnte ich euch geben. Wenn ihr einige dieser Tipps beachtet, wird euch auffallen, dass auch das Jurastudium nicht bedeuten muss, dass man monatelang von 8 bis 18 Uhr in der Uni-Bibliothek sitzt. Wer Struktur in seine Lernphasen bringt, kann auch mal etwas mit Freunden unternehmen und wird trotzdem nicht durchfallen.

Nicht umsonst schneiden oft diejenigen am besten ab, die entspannt in die Klausur bzw. ins Examen gehen – und das erreicht man am besten, indem man früh genug anfängt, eine gute Work-Life-Balance schafft, die richtigen Materialien zur richtigen Zeit verwendet und viele Klausuren zur Übung schreibt.

Viel Erfolg!

Euer Mohamed El-Sheikh

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Der Autor: Mohamed El-Sheikh

Aktualisiert am 28.05.2018