Sechs Thesen zur Zukunft der Musikwirtschaft

Was sind die großen Trends der Musikwirtschaft? Die folgenden Thesen stammen von Frank Briegmann, President und CEO Central Europe UNIVERSAL MUSIC und Deutsche Grammophon. Sie sind ein kurzer Auszug aus dem neuen „Handbuch der Musikwirtschaft“.

 

1. Die Musiknutzung wird weiter zunehmen:

Emerging Markets bieten neue Chancen. Vor allem in Ländern ohne einen funktionierenden CD-Markt erschließt die Digitale Distribution neue Erlöspotentiale. Sowohl in Indien als auch in China, in denen zusammen mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung lebt, verzeichneten die Musikumsätze 2016 ein Plus von  jeweils rund 30 Prozent. Neue Technologien öffnen Musikinhalten die Türen zu Autos, Häusern und Wohnungen. Ob In-Car-Entertainment oder Voice Control Devices – sie alle bieten Usern einen zusätzlichen bzw. verbesserten Zugang zur Musik. Umgekehrt ist Musik ein Enabler-Content, ein plausibler Grund, der für die Nutzung neuer Technologien spricht. Der wachsende Wettbewerb im Streaming-Markt führt nicht zu mehr Preis- und Umsatzdruck, sondern vor allem zu mehr Nutzern. 

 

2. Streaming als universelles Monetarisierungskonzept: 

Streamingangebote haben zu einem sich wandelnden Nutzerverhalten geführt. Nichtkäufer wurden wieder zu Kunden. Für die Nutzung von Musik zu zahlen, wird wieder zur Selbstverständlichkeit. Durch die Verfügbarkeit gestreamter Musikinhalte auf immer mehr Geräten an immer mehr Orten (in-car, in-home, mobile etc.) wird die Zielgruppe kommerzieller Nutzungsmodelle in den kommenden Jahren exponentiell wachsen.

 

3. Stream Global – Hear Local:

Der Aufbau einer globalen Infrastruktur und die Vernetzung und Auswertung von Userdaten dienen einer zunehmenden Lokalisierung und Individualisierung der Inhalte. Die persönliche Relevanz ist einer der Hauptfaktoren, um Content erfolgreich und entgeltlich zu distribuieren. Ein Ziel ist, dass die Musikempfehlungen der Algorithmen am Ende dieselbe Glaubwürdigkeit erlangen wie die des besten Freundes, sie vielleicht sogar noch übertreffen.

4. Die Musikindustrie muss Innovationstreiber bleiben:

Die Musikindustrie muss ihre Offenheit bewahren, um auch in Zukunft ein attraktiver Partner für Technologie-Unternehmen zu bleiben. Denn Musik packt die Menschen. Sie besitzt das, wonach alle in der heutigen Zeit streben: persönliche Relevanz und emotionale Bindung. Deshalb sind und bleiben Musikinhalte integraler Bestandteil von Geräten und Systemen, die den Menschen Informationen und Unterhaltung liefern.

 

5. Das Urheberrecht muss endlich in der Jetztzeit ankommen:

Das prognostizierte Wachstum der kommenden Jahre steht nach wie vor unter einem klaren „Gesetzesvorbehalt“. Solange der wirksame Schutz kreativer Inhalte nicht gewährleistet ist, läuft die ökonomische Basis der gesamten Branche Gefahr zu erodieren. Es geht darum, auch mit globalen Konzernen auf Augenhöhe verhandeln zu können, ein gesetzlich garantiertes „Level Playing Field“ zu schaffen. Auch und besonders im Verhältnis zu Videoplattformen, die sich aktuell hinter Konzepten wie der „Safe Harbour“-Regelung verstecken, die für ganz andere Zwecke gedacht waren. Die unzureichende Lizenzierung von z.B. Video-Streaming-Inhalten führt nicht nur zu eklatanten Erlösausfällen bei Künstlern und Rechteinhabern, sondern auch zu einer Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil ordentlich lizenzierter Anbieter.

 

6. Künstler und Labels brauchen einander mehr denn je:

Die Ansprüche der Konsumenten an Auswahl, Verfügbarkeit und Präsentation wachsen kontinuierlich mit den Möglichkeiten. Immer mehr Marketing- und Vertriebskanäle wollen bespielt, immer zielgenauer die Interessengruppen angesprochen werden. Die Diversifizierung zieht sich durch alle Bereiche – Repertoire, Kommunikation, Distribution. Die Folge sind u. a. kleinteiligere Strategien, eine gewachsene Zahl an Kommunikationsmitteln und -inhalten sowie eine immer größere Produktauswahl. Und das bedeutet unter dem Strich nicht weniger, sondern mehr Betreuungsaufwand. Zumindest für alle, die ihren Künstlern professionellen Service bieten möchten. Im gleichen Zug gewinnt die schon immer wichtige Einbindung der Künstler nochmals zusätzlich an Bedeutung. Ein steter Content-Flow über möglichst viele Kanäle hinweg sorgt für eine konstante Aufmerksamkeit und Nachfrage. Besonders im Streaming geht es nicht nur um einzelne Veröffentlichungstermine, sondern auch um eine permanente Präsenz. Das führt zu einer noch intensiveren Zusammenarbeit mit den Labels, um Künstlern und Fans noch mehr Service zu bieten.

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Der Autor:

Frank Briegmann

President & CEO Central Europe UNIVERSAL MUSIC und Deutsche Grammophon

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