Erschienen: 21.05.2012 Abbildung von Polian / Hilger / Ovemans | Rotarmisten in deutscher Hand | 1. Aufl. 2012 | 2012 | Dokumente zu Gefangenschaft, R...

Polian / Hilger / Ovemans

Rotarmisten in deutscher Hand

Dokumente zu Gefangenschaft, Repatriierung und Rehabilitierung sowjetischer Soldaten des Zweiten Weltkrieges

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106,00 €

inkl. Mwst.

1. Aufl. 2012 2012. Buch. 956 S. Hardcover

Schöningh. ISBN 978-3-506-76545-1

Produktbeschreibung

Kriegsgefangene Rotarmisten waren mit rund 3 Millionen Toten die zweitgrößte Opfergruppe des Nationalsozialismus. Trotzdem wurde ihr Schicksal im Westen lange ignoriert. Mehr noch, es ist bis heute im gesellschaftlichen Bewusstsein kaum präsent. In der eigenen Heimat waren die Überlebenden zudem als angebliche »Vaterlandsverräter« verfemt; erst in den letzten Jahren konnten sie Stalins Schatten entkommen. Der vorliegende Band dokumentiert erstmals ausführlich auf der Basis deutscher und russischer Quellen das Schicksal der »Opfer zweier Diktaturen«.

Die Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener war eines der größten deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Ideologische Prämissen und entgrenztes militärisches Zweckdenken schufen die Rahmenbedingungen so-wohl für Mordprogramme an einzelnen Gefangenengruppen als auch für das frühe, beispiellose Massensterben in deutscher Hand. Schon bald setzte die deutsche Führung angesichts des kriegswirtschaftlichen Personalbedarfs zunehmend auf die Ausbeutung der Arbeitskraft der Überlebenden. Der Umgang mit den Kriegsgefangenen blieb indes vom Glauben an eine vermeintliche deutsche Höherwertigkeit und an eine letztlich beliebige Verfügbarkeit der Gefangenen geprägt. Ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen blieben extrem schlecht, die Sterblichkeit exorbitant hoch. Darüber hinaus waren gerade sie weiterhin dem Zugriff von SS und Gestapo ausgesetzt.

Der Heimatstaat der Rotarmisten gab die Gefangenen bereits im Juni 1941 auf und verzichtete auf jeden Versuch, deren Schicksal hinter deutschem Stacheldraht positiv zu beeinflussen. Stalin wollte durch unbarmherzige Härte die zunächst schwankende Front stabilisieren und eigene Fehler vertuschen. Dieses Kalkül paarte sich mit Verfolgungswahn, ideologischen Zerrbildern sowie mit außen- und gesellschaftspolitischen Nachkriegsprogrammen. Gefangene, die die deutschen Lager nur mit knapper Not überlebt hatten, wurden als potentielle Deserteure, Verräter, Kollaborateure oder Spione diffamiert und rigiden Überprüfungen unterworfen. Die staatliche Politik vergiftete langfristig das gesellschaftliche Klima für die Heimkehrer. Der Prozess der Reintegration und rechtlich-moralischen Rehabilitierung ist bis heute nicht abgeschlossen.

Auch Deutschland tut sich schwer mit der Anerkennung des vergangenen Unrechts. Der vorliegende Band vermittelt erstmals einen präzisen Einblick in mehrschichtige deutsche wie sowjetische Entscheidungsprozesse und Motive, ohne die Opfer aus dem Blick zu verlieren. Auf diese Weise bietet das Werk eine profunde und plastische Aufarbeitung der viel zu lange vernachlässigten Tragödie sowjetischer Kriegsgefangener.

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