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Moser

Kannibalische Katharsis

Literarische und filmische Inszenierungen der Anthropophagie von James Cook bis Bret Easton Ellis
2005. Buch. 124 S. Softcover
Aisthesis Verlag, Bielefeld ISBN 978-3-89528-456-4
Das Werk ist Teil der Reihe:
Die Figur des Kannibalen erlebt gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts nicht nur in den Kulturwissenschaften, sondern auch in den künstlerischen Medien - insbesondere in den populären Horror- und Thriller-Genres - eine außergewöhnliche Konjunktur. Der Kannibale erlangt in den spätkapitalistischen Gesellschaften des Westens geradezu den Status einer kulturellen Ikone. In der Wahrnehmung dieser Ikone kreuzen sich noch einmal die beiden gegensätzlichen Traditionslinien, die den europäischen Diskurs über die Anthropophagie seit Jahrhunderten bestimmen - die ethnozentrische Bestialisierung des Kannibalen und seine kulturkritische Idealisierung. Doch indem sie sich kreuzen, neutralisieren sie sich gegenseitig: Die der Kannibalen-Figuration herkömmlicherweise zugeschriebenen Bedeutungen unterliegen einer nachhaltigen Erosion. Die Gestalt des Kannibalen wird im Zuge dieser Erosion ästhetisiert; das kritische Potential der Metapher verflüchtigt sich. Der anthropophagische Akt gewinnt das dubiose Ansehen eines kathartischen Vorgangs - einer gewaltsamen, aber heilsamen Reinigung, welche die Gesellschaft von vermeintlich fremden und schädlichen Elementen befreit. Der Kannibalismus wird zum Insignium einer Kultur, die sich offen zu ihren unersättlichen Begierden bekennt und sich eben dadurch von aller ,Schuld' und allem ,Schmutz' reinigen zu können glaubt.

Inhalt:

* I. Einleitung: Kannibalische Gesellschaftsordnungen
* 1. Primitivistische und kulturalistische Auffassungen der Anthropophagie
* 2. Anthropophagie und Anthropemie

* II. Der Kannibalismus im Fadenkreuz der wissenschaftlichen Empirie
* 1. William Arens: Entzauberung des Kannibalen-Mythos?
* 2. Essen sehen: Captain Cooks kannibalische Versuchsanordnung

* III. Der Kannibale als Medium verfremdender Selbsterkenntnis
* 1. Selbsterkenntnis und Selbstenteignung: Michel de Montaigne
* 2. Hermeneutik der Oberfläche: Joseph Conrad

* IV. Die reinigende Wirkung des Konsums: Kannibalische Horror-Szenarien im späten 20. Jahrhundert
* 1. Die kannibalische Kamera: Cannibal Holocaust
* 2. Kannibalische Killer: Hannibal Lecter und Patrick Bateman
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