Erschienen: 23.08.2007 Abbildung von Mertz | Ich, das Krisenzentrum | 2007 | Eine Angehörige berichtet

Mertz

Ich, das Krisenzentrum

Eine Angehörige berichtet

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2007. Buch. 176 S. Softcover

Paranus Verlag. ISBN 978-3-926200-96-9

Format (B x L): 12.3 x 19.5 cm

Gewicht: 224 g

Produktbeschreibung

Dieses Buch handelt von mir. Ich, Ingrid Mertz geborene Lanne geschiedene Kachel, bin das Krisenzentrum. Denn dieses Buch handelt ebenso von drei psychisch kranken Menschen: von meiner Mutter Hanne Lanne, von meinem ersten Mann Klaus Kachel und von meinem Sohn Felix Mertz. Ich sage extra "von psychisch kranken Menschen". Die Formulierung "von psychisch Kranken" reduziert die Person auf die Krankheit, und das wird den Menschen, um die es geht, nicht gerecht. Die Gespräche mit meinen Angehörigen sowie auch ihre Pflege und Betreuung haben mir viel Kummer bereitet, aber wenn ich auf die Zeit mit ihnen zurückblicke, stelle ich fest: Ich bin mit ihnen, mit meinem Leben versöhnt. Zwischendurch war ich oft so entmutigt, dass ich nur dachte: "Wie lange muss ich das noch aushalten?" In erster Linie erzähle ich einfach, wie es mir ergangen ist. Ich habe viel gelernt, aber auch erleben müssen, dass sich Situationen meiner Kontrolle entzogen, obwohl ich mir sehr viel Mühe gab. Vielleicht kann das für Leserinnen und Leser ein gewisser Trost sein. Aus dem Vorwort Leseprobe: Zukunftspläne Derweil träumt Felix vom großen Durchbruch: "Hier ist so ein Türke in der Therapie. Wenn ich mit dem hier mal Musik machen könnte. der ist so ein toller Rapper, ich habe Kassetten von ihm gehört. Und ihm fehlt noch eine Gitarre. Das könnt ich locker. Einfach einen Proberaum mieten." - Bei dem Kontostand? Ich fass es nicht. "Vielleicht bleibe ich ja auch für immer hier." - "Für immer hier? Wie meinst du das? Als Pfleger oder als Patient?" - "Als Patient. Oder ich such mir eine einfache Arbeitsstelle." - "Bist du dir im Klaren darüber, wie wenig du als Hilfsarbeiter verdienst? Und noch hast du keine Stelle!" - "Ach, ich will gar nicht viel Geld." Es folgt eine ernsthafte realitätsbezogene Ansprache von mir zum Thema "Ich will gar nicht viel Geld haben". "Und bedenke, wie viel BAföG du zurückzahlen musst, wenn du dein Studium abbrichst!" - "Finanzielle Gründe dürfen für mich nicht ausschlaggebend sein. Ich darf mich nicht durch finanzielle Gründe unter Druck setzen lassen, um etwas zu tun, was ich eigentlich nicht leisten kann." Wo er Recht hat, hat er Recht. Wir gehen gemeinsam durch, was Felix überhaupt noch bis zum Examen machen müsste. Ein Gesunder könnte das Pensum locker in zwei Semestern schaffe. Aber mit was dürfen wir rechnen, mit was darf er selber bei sich rechnen? Was kann er überhaupt leisten? Wie weit wird er wieder gesund, wenn überhaupt? Wir vertagen das Thema. Es wird Zeit für den Abschied. Da steht Flix im kalten Abendlicht. Er lächelt uns tapfer an. Felix sieht so toll aus. Ein schönes, ausdrucksvolles Gesicht. Freundliche Augen, breite Schultern. Er wirkt nett und vertrauenerweckend. Und doch. Hoffentlich ist Felix noch lange im Krankenhaus. In seinem Zustand, so scheint es mir, ist er dem Leben draußen noch nicht gewachsen.

Autoren

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