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Loeding / Rosenthal

Aufbau und Institutionalisierung gewerkschaftlicher und betriebsverfassungsrechtlicher Interessenvertretungen in den neuen Bundesländern

1998. Buch. 323 S. Hardcover
Kovac ISBN 978-3-86064-691-5
Das Werk ist Teil der Reihe:
Ausgehend von der Annahme, dass die Systemtransformation in Ostdeutschland als ein von außen, aus den alten Bundesländern bestimmter Prozess zu verstehen ist, dokumentieren die Autoren am Beispiel des gewerkschaftlichen Organisationsaufbaus den Ablauf der Übertragung und Institutionalisierung bundesdeutscher Verbandsstrukturen. Anhand des Deutschen Gewerkschaftsbundes und drei seiner Einzelgewerkschaften werden die differenten Reaktionsweisen auf den Zusammenbruch des politischen Systems und der institutionellen Ordnung der DDR geschildert. Bewusst legen die Verfasser das Hauptaugenmerk der Betrachtung auf die organisationspolitische Handlungsebene der Gewerkschaftszentralen, da die westdeutschen Gewerkschaften in erster Linie zentral als Organisation auf diesen Zerfall reagierten.
Darüber hinaus beleuchten die Autoren den 1989 eingeleiteten Reformprozess der DDR-Gewerkschaften sowie, nach dessen Scheitern, die Auflösung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes. Veranschaulicht wird die Reaktion des Bundesvorstandes des FDGB auf den gesellschaftspolitischen Umbruch. Mit dem endgültigen Ruin der SED-Herrschaft stand er vor der Notwendigkeit einer Neubestimmung seiner Aufgaben und Ziele.
Um die Betrachtung auf das Transformationserleben der Menschen in der DDR zu lenken, verdeutlichen die Autoren anhand der betrieblichen Reorganisation das Fortbestehen sozialistischer Verhaltensmuster in der Nachwendephase. Die Darstellung der betrieblichen Sozialordnung als Schnittstelle zwischen politisch-ökonomischem System und den Werktätigen ermöglicht es gleichfalls, den Blickwinkel von der gewerkschaftlichen Spitzenfunktionärsebene (West) auf die betrieblichen Akteure der Mikroebene (Ost) zu lenken.
Die Beschreibungen der Initiativen zur Neuordnung belegschaftlicher Interessenvertretungen in der DDR dienen den Autoren als Spiegel einer spezifischen Unzufriedenheit mit den erfahrenen Mängeln planwirtschaftlichen Handelns und erlauben die Annahme, dass sich mit der Entstehung alternativer Interessenvertretungen eine eigenständige ostdeutsche Institutionalisierungsvariante verband, deren Produkt sich vom Modell des bundesdeutschen Betriebsrat unterschied.
Da die Verfasser den Transformationsprozess des Herbstes 1989 als historische Umbruchsituation verstehen, in der sowohl ein politisches System als auch eine institutionelle Ordnung zugrunde gingen, ließen sich Parallelen zur Ausnahmesituation nach dem Zweiten Weltkrieg herstellen. Es bildeten sich, gleichsam um einer betrieblichen Anomie vorzubauen und entgegenzuwirken, Initiativen heraus, deren Ziel der Betriebs- und Arbeitsplatzerhalt verbunden mit dem Produktionsfortgang war. Der historische Rückblick erlaubt neben der Veranschaulichung der Entstehung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes und dessen Instrumentalisierung durch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands die Möglichkeit, zu fragen, ob Betriebsräte auf dem Gebiet der ehemaligen DDR bereits vor 1989 eine Akteursrolle auf der Bühne der Arbeitsbeziehungen hatten.
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