Erschienen: 29.07.2009 Abbildung von Lodato, Victor | Mathilda Savitch | 2010 | Roman

Lodato, Victor

Mathilda Savitch

Roman

Roman/Erzählung

2010. Buch. 261 S. Hardcover

C.H.BECK. ISBN 978-3-406-59074-0

Format (B x L): 12,1 x 20,3 cm

Gewicht: 384 g

Produktbeschreibung

"Die besten Geschichten sind wie Raumschiffe, sagt Mathilda. Sie bringen dich irgendwo hin, setzen dich in weiter Ferne ab, und du denkst, oh, ganz schön unheimlich hier. Aber dann denkst du, warte, vielleicht kenne ich das doch. Vielleicht bin ich sogar hier geboren."


Mathilda Savitch ist nicht gerade ängstlich. Sie zieht es vor, sich direkt den Dingen zu stellen, die andere nicht einmal zur Sprache bringen können. Etwa der Tatsache, dass ihre geliebte ältere Schwester tot ist, vor einen Zug gestoßen wurde von einem Mann, der nie gefasst wurde. Dennoch ist sie trotz aller Bemühungen auch ein Jahr später keinen Schritt weiter gekommen, kennt die Wahrheit über den Tod Helenes noch immer nicht. Dann aber gelingt es ihr, das E-Mail-Passwort der Schwester zu knacken, und vor ihr öffnet sich deren geheimes Leben. Seltsame Gefühle, zahllose Liebesaffären, merkwürdige Motive enthüllen sich ihr da, und um die Dinge voranzutreiben, verschickt Mathilda Mails im Namen ihrer toten Schwester. Denn irgendwo in diesem Gewirr der Beziehungen und Gefühle muss auch der Schlüssel dafür liegen, um ihre Familie aus ihrer Schockstarre zu erwecken. Schließlich macht sich Mathilda auf den Weg zu Helenes letztem Geliebtem, der noch gar nichts von ihrem Schicksal weiß. Sie muss sehen, was ihre Schwester gesehen hat, wissen, was Helene wusste, auch wenn sie dabei sehr viel riskiert.

Die 13-jährige Mathilda Savitch ist eine hinreißende Figur, klug, anrührend, zartfühlend und bissig, frühreif und komisch, und Victor Lodatos erster Roman furios und spannend, ein außergewöhnliches Debüt.


Interview mit Victor Lodato

Die 13-jährige Mathilda Savitch ist eine faszinierende Person: sie ist außerordentlich intelligent und gewitzt, aber sie hat auch mit den üblichen Problemen ihres Alters zu kämpfen. Wie sind Sie auf sie gestoßen?

Copyright: Michael CrouserDie Stimme von Mathilda Savitch erreichte mich eines Morgens mit einer eigentümlichen Energie. Ich weiß noch, wie ich aus dem Schlafzimmerfenster heraus sah, noch nicht richtig wach, und mir plötzlich die ersten Worte des Romans über die Lippen geflüstert kamen. Als Theaterautor bin ich es gewöhnt, Stimmen zu hören, aber Mathildas Stimme war besonders beharrlich – und sagenhaft verführerisch. Die folgenden Jahre habe ich dann damit verbracht, alles aufzuschreiben, was dieses Kind mir gesagt hat. Ich fühlte mich wirklich mehr wie ein Sekretär als ein Schriftsteller.

Die leichthändige und gleichzeitig eindringliche Sprache, mit der Mathilda über ihr Leben und den Tod ihrer älteren Schwester spricht, hält den Leser besonders in Bann. Wie haben Sie diesen "Sound" entwickelt?

Auch wenn ihre ersten Worte etwas bedrohlich wirken („Ich will gemein sein. Schreckliche Gemeinheiten machen“.), wusste ich sofort, dass ihre Stimme diejenige eines Kindes war. Die Worte trugen nichts Böses in sich, sondern schienen von einem sehr eigenwilligen, starken Charakter zu kommen, aus einer glühenden Seele, die sich nicht weiter zurückhalten wollte. Das klingt jetzt fürchterlich ernst, dabei erinnere ich mich am lebhaftesten an die Momente beim Schreiben, in denen Mathilda mich zum Lachen brachte. Anscheinend spürt mein Geist und Körper instinktiv alle komischen Aspekte auf, wenn ich mich mit eigentlich düsteren Themen beschäftige. Ohne dieses befreiende Lachen hätte ich die 6 Jahre, in denen ich an dem Roman gearbeitet habe, wahrscheinlich nicht durchgehalten.

Mathilda erwähnt manchmal umwälzende Ereignisse der Weltgeschichte, etwa die Attentate in New York: Welche Intention verfolgen Sie damit?

Ich begann meine Arbeit an dem Roman fast genau ein Jahr nach 9/11, und auch in Mathildas Welt schwebt die Gefahr des Terrorismus im Hintergrund. Ich glaube, dass ich mit der geliehenen Stimme dieses Mädchens auch meine eigene Angst, Verwirrung und Wut in einer offenen und unschuldigen Weise ausdrücken konnte. Es war befreiend, mit der kindlichen Stimme von jemandem zu schreiben, der die Welt noch erlernt und ihre Komplexitäten zum ersten Mal interpretiert. Während der Roman für mich ein Jahr nach 9/11 begann, beginnt Mathildas Geschichte interessanterweise ein Jahr nach dem Tod ihre geliebten älteren Schwester. Ihre Eltern sind in Schmerz erstarrt, und unfähig, dem Mädchen echte Trauerarbeit beizubringen. Durch diese dunkle Landschaft muss Mathilda ihren eigenen Weg finden.

Das Interview mit Victor Lodato wurde im Juni 2009 geführt von Tanja Warter und Jonathan Beck.

Weitere Produkte in der Produktfamilie

Autoren

  • Dieses Set enthält folgende Produkte:
      Auch in folgendem Set erhältlich:
      • nach oben

        Ihre Daten werden geladen ...