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Jullien

Der Weise hängt an keiner Idee

Das Andere der Philosophie
2001. Buch. 221 S. Softcover
Wilhelm Fink ISBN 978-3-7705-3561-3
Unter ihrem unauffälligen Erscheinungsbild offenbart sich die Weisheit bei François Jullien als ein Anderes der Philosophie, das tückischer ist als die Sophistik oder die Theologie, ihre traditionellen Gegenspielerinnen. Die Weisheit ist im Grunde beunruhigender, ihre Anti-Philosophie virulenter: auf Wahrheit, sagt sie, kann man verzichten, denn Übereinstimmung genügt; über die Dinge gibt es nichts zu sagen, denn das Reden blockiert nur deren geregelten Lauf; vor allem aber muß man sich vor Ideen hüten, denn sie fixieren und kodifizieren unser Denken, beschränken unseren Handlungsspielraum.

In Europa gibt es nur ein paar verstreute Bruchstücke der Weisheit: Pyrrhon, die Stoiker, Montaigne. In China dagegen, wo kein Gebäude der Ontologie errichtet wurde, ist die Weisheit der "Weg". Ein Weg, der ohne Ballast beschritten wird, ist doch der Weise, wie Konfuzius sagt, "ohne Idee", und nimmt er doch, wie der Taoist hinzufügt, die Dinge "so wie sind", unverfälscht durch langes Reden oder die Suche nach Wahrheit und Sinn.

Kein segnendes Amen, kein "so sei es!" der Religion, aber auch kein erstauntes "warum ist es so?" der Philosophie, sondern ein gelassenes "so ist es": Weise ist, wer erkennt, daß es so ist.
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Von: link iconFrancois Jullien. Übersetzt von: link iconMarkus Sedlaczek