Streitfall Erbengemeinschaft: „Vielschichtige Probleme“ für die anwaltliche Beratung

Wenn der Erblasser mehr als einen Erben einsetzen will, wird es für den juristischen Laien schnell sehr kompliziert. Für Anwälte ist daher die Beratung zum Thema Erbengemeinschaft ein lukratives Betätigungsfeld. Ein Gespräch mit Dr. Hans-Peter Wetzel, Mitherausgeber des neuen Werks „Handbuch Erbengemeinschaft“.

 

Lieber Herr Dr. Wetzel, wie häufig sind Erbengemeinschaften eigentlich?

Erbengemeinschaften sind sehr häufig anzutreffen. Das BGB geht zwar von der Alleinerbenstellung eines Erben aus. Dies entspricht aber nicht der Realität. Außerordentlich häufig hinterlässt der Erblasser mehr als einen Erben. Dadurch entsteht per Gesetz eine Erbengemeinschaft, die von den Erben zu verwalten und auseinanderzusetzen ist.

 

Was sind typische Streitfälle?

Wenn zum Beispiel eine Erbengemeinschaft aus drei Personen besteht und zum Nachlass ein Ein- oder Zweifamilienhaus gehört, müssen sich die Miterben über diese Immobilie einigen. Wenn einer der Miterben gerne das Haus übernehmen möchte und die anderen damit nicht einverstanden sind, kann es als ultima ratio zur Teilungsversteigerung dieser Immobilie kommen. Weiter entstehen Probleme bei der Verwaltung der Erbengemeinschaft, wenn beispielsweise das Haus repariert werden muss und einer der Erben nicht bereit ist, sich an der Reparatur zu beteiligen.

 

Hier gibt es also ein wichtiges Betätigungsfeld für Anwälte?

Ganz genau, denn die juristischen Laien können im Regelfall mit der Rechtsnatur der Erbengemeinschaft wenig anfangen. In der Erbengemeinschaft kulminiert nicht nur das Erbrecht und das gesamte BGB, vielmehr auch das Gesellschaftsrecht, das Steuerrecht sowie das Sozialrecht. Dadurch führt die Beschäftigung mit der Erbengemeinschaft zu außerordentlich vielschichtigen Problemen. Diese werden von juristischen Laien häufig so nicht wahrgenommen und können zu fehlerhaften Entscheidungen führen.


Wie können Anwälte Erblasser vorsorglich beraten, um Streit bei Erbengemeinschaften zu vermeiden?

Der anwaltliche Rat kann darin bestehen, eine letztwillige Verfügung zu errichten – also ein Testament oder einen Erbvertrag. Darin kann der Erblasser seinen letzten Willen zum Ausdruck bringen. In einer klugen letztwilligen Verfügung kann entweder die Erbengemeinschaft ganz oder die Härten einer Erbengemeinschaft vermieden werden.

 

Was kann das konkret bedeuten?

Der Erblasser kann in der letztwilligen Verfügung bestimmen, wie die Erbengemeinschaft zu verwalten und auseinanderzusetzen ist, also nicht nach den Regeln des BGB. Unter anderem besteht auch die Möglichkeit, einen Testamentsvollstrecker zu bestimmen, der die Erbengemeinschaft auseinandersetzt. Dadurch kann etwa vermieden werden, dass die Mitglieder der Erbengemeinschaft untereinander in Streit geraten.

 

Wie kann Ihr Buch bei der Beratung unterstützen?

Das Handbuch behandelt das Thema Erbengemeinschaft in seiner ganzen Breite und Tiefe: Zivilrechtlich, steuerrechtlich, unternehmens- und internationalrechtlich, ebenso das wichtige Thema der Vermeidung der Erbengemeinschaft. Das Handbuch ist eine sehr gute Grundlage für den beratenden und forensisch tätigen Rechtsanwalt.

Dr. Hans-Peter Wetzel

ist Fachanwalt für Steuerrecht und Fachanwalt für Erbrecht, Schiedsrichter für Erbstreitigkeiten (DSE) sowie Lehrbeauftragter an der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG)

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