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Interview mit Dr. Ingo Nathusius zum Buch
»Deutsche Bank intern – Über den Versuch einer Sanierung«


Warum hat Ihnen die Deutsche Bank derart intime Einblicke gewährt?

Die Bank hat drastisch sinkendes Vertrauen der Öffentlichkeit registriert. Veröffentlichungen zur Bank waren generell eher negativ. Investoren, Kunden und Mitarbeiter wandten sich zusehends von der Bank ab. Ende 2016 geriet das Institut durch eine hohe Milliardenforderung der amerikanischen Justiz richtig in die Krise. Da traf es sich gut, dass Kollegen und ich schon länger bei der Bank wegen einer Fernsehdokumentation vorgefühlt hatten. Für eine Öffentlichkeits- Offensive der Bank war das eine gute Gelegenheit und für uns war es die Gelegenheit, die Bank nicht nur von außen zu beschreiben, sondern von innen betrachten zu können. Die Recherchen und Interviews bildeten dann eine Grundlage für das Buch.

Hat die Deutsche Bank die Sanierung personell und ökonomisch geschafft?

Personell ist der Vorstand runderneuert. Der Aufsichtsrat kommt zwar großenteils noch aus alter Zeit, verfolgt aber den Sanierungskurs sehr aktiv. Wirtschaftlich ist die Bank auf gutem Weg, aber noch lange nicht saniert. Wenn mehrere ökonomische Schocks gleichzeitig aufträten, könnte es wieder sehr eng werden - beispielsweise ein Konjunkturrückgang bei gleichzeitiger Zinserhöhung.

Wie ist die Diskrepanz zwischen IT-Investitionsstau und sehr hohen Boni-Ausschüttungen in der Vergangenheit erklärbar?

Durch Ignoranz, durch Rücksichtslosigkeit gegenüber der Bank und ihrer Zukunft, durch blanken Eigennutz und durch ungenügende Kaufmannschaft. Es gibt sogar Beobachter, die sagen: "Die Bank ist in die Hände von Räubern gefallen, die sie 15 Jahre lang ausgeplündert haben."

Das Interview wurde geführtim Dezember 2017 von
Frank Katzenmayer, Leitung Programmbereich Finance, ABWL & VWL
Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH