Erschienen: 09.01.2018 Abbildung von Düsterberg | Dichter für das

Düsterberg

Dichter für das "Dritte Reich" (Band 4)

Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. 10 Autorenporträts

lieferbar, ca. 10 Tage

Buch. Softcover

2018

340 S.

Aisthesis Verlag. ISBN 978-3-8498-1253-9

Format (B x L): 14.4 x 20.3 cm

Gewicht: 468 g

Produktbeschreibung

von dessen Wohltaten profitierten, erfreuen sich in der deutschen Provinz noch heute unkritischer Beliebtheit. Der Weltruhm, den Josef Martin Bauer mit seinem Roman Soweit die Fu¿ße tragen erzielte, verdeckt sein vormaliges Engagement als Verfasser rassistischer Kriegsbu¿cher. Die Heimatdichterin Margarete zur Bentlage aus dem niedersächsischen Artland soll dort gegenwärtig als regionale Größe reinstalliert werden - obwohl sie mit fast allen ihren Prosatexten die idologischen Interessen des Regimes bediente. Und in Österreich betrifft die Ignoranz gegenu¿ber der Verstrickung von Schriftstellern in die NS-Diktatur anscheinend nicht nur die Provinz. Die 2009 verstorbene Gertrud Fussenegger zählt zu den Großen der österreichischen Nachkriegsliteratur, hat sich aber niemals ihrem Wirken als aktive Nationalsozialistin gestellt. Das gilt auch fu¿r Josef Friedrich Perkonig, der unter allen politischen Regimes Österreichs seine Karriere beförderte, darunter auch als stellv. Landesleiter der Goebbels'schen Reichsschrifttumskammer in Kärnten. An den donau-"schwäbischen Mussolini" und ehemaligen k.u.k.-Oberst Karl von Möller hingegen scheint jede Erinnerung erloschen. In den 1930er Jahren war der "volksdeutsche" Politiker mit seinen rassistischen historischen Romanen sehr erfolgreich. Dagegen ist die Blut-und-Boden-Dichterin Agnes Harder zumindest in den Vertriebenenverbänden noch marginal präsent, während viele ihrer Texte sogar in den Schulbu¿chern des "Dritten Reiches" vertreten waren. Besondere Wirkung entfaltete nach dem Zweiten Weltkrieg der NS-Dichter Herbert Böhme. Als Mitgru¿nder des Deutschen Kulturwerks europäischen Geistes (DKEG), der größten rechtsextremen kulturellen Organisation in Westdeutschland, wollte er die völkischen "Ideale" bewahren und deren kulturellen Exponenten eine schlagkräftige Institution schaffen. Mit Sigmund Graff und Max Dreyer stellt der vierte Band der Reihe Dichter fu¿r das "Dritte Reich" zwei extrem erfolgreiche Schriftsteller jener Zeit vor. Graff, heute weitgehend vergessen, war seinerzeit der meistinszenierte zeitgenössische Bu¿hnenautor. Der Dramatiker und Romancier Dreyer, ein Sozialdarwinist, wurde vom Regime mit fu¿nf literarischen Preisen so häufig ausgezeichnet wie kaum ein anderer - obwohl er nie der Partei beitrat. Eine heute kurios anmutende Erscheinung ist der Theologe und Schriftsteller Arthur Bonus, der mit seinem deutsch-nationalen, heroischen Gott ein "germanisches Christentum" konstruierte, das den Menschen auf seinen Nutzen fu¿r das Glaubenskollektiv reduzierte. In der Zeit des "Dritten Reiches" war er ein engagierter Streiter in den Auseinandersetzungen der völkisch orientierten Gruppierungen des deutschen Protestantismus.

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