Erschienen: 09.11.2005 Abbildung von Bogner | Grenzarbeit der Experten | 2005 | Vom Umgang mit Ungewissheit un...

Bogner

Grenzarbeit der Experten

Vom Umgang mit Ungewissheit und Nichtwissen in pränataler Diagnostik und Beratung

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2005. Buch. 240 S. Softcover

Velbrück Wissenschaft Verlag, Weilerswist. ISBN 978-3-938808-05-4

Produktbeschreibung

Kategoriale Grenzkonstruktionen wie gesund/krank oder Leben/Tod dienen der Orientierung und Entscheidungsentlastung in der Medizin. Nun ergeben sich nicht zuletzt im Zuge des biowissenschaftlichen Fortschritts Überforderungen dieser institutionalisierten Entscheidungskonventionen und damit neuartige Entscheidungs- und Gestaltungszwänge.

Die Bemühungen um eine Neubestimmung von Unterscheidungen wie gesund und krank oder Leben und Tod lassen sich als notwendige Reaktion auf neue Uneindeutigkeiten verstehen. Grenzpolitik der Experten ist daher nicht einfach gleichbedeutend mit strategischer Rhetorik zur Durchsetzung wissenschaftlicher Autonomieansprüche; sie ist vielmehr Ausdruck einer Suche nach Neuorientierungen jenseits überkommener Leitdifferenzen und Unterscheidungen.

Für die Wissenschaftsforschung sind gerade die den konkreten Grenzarbeiten zugrunde liegenden Rationalitäten und Orientierungen von Interesse. Im vorliegenden Buch wird am Beispiel pränataler Diagnostik und Beratung gezeigt, dass die Grenzpolitik der Experten maßgeblich durch den impliziten Rekurs auf gesellschaftliche Leitwerte und Normalitätsvorstellungen strukturiert ist. Diese enge Kopplung von expertiellen Handlungsorientierungen und gesellschaftlichen Leitwerten, so die These, erweist sich gerade in jenen Grenzfällen, wo das für die moderne Medizin konstitutive Kategoriensystem an interpretativer Kraft verliert, als funktional für die Legitimation professioneller Autorität. Sie trägt dazu bei, die Zuständigkeit der klinischen Pränataldiagnostik für uneindeutige, den medizinischen Code transzendierende Phänomene zu plausibilisieren.

Tatsächlich werden die Experten in vielen Fällen mit Phänomenen konfrontiert (wie zum Beispiel genetischen Anomalien und Behinderungen), die heute nicht mehr ohne weiteres einem medizinischen Deutungs- und Relevanzrahmen subsumierbar sind; traditionelle Entscheidungs- und (Be-)Handlungsroutinen werden in der Folge diskursiv aufgebrochen. Dies hat Folgen für die genetische Beratung. Die Konfrontation der Experten mit Ungewissheit und Nichtwissen resultiert in der Aufwertung eines wertneutralen und klientenzentrierten Beratungsideals und damit zentraler Leitwerte wie Autonomie und individuelle Entscheidungsfreiheit. Das heißt, nicht zuletzt in Abgrenzung zu eugenischen Praktiken werden für die moderne Humangenetik das Individuum und die individuellen Wertvorstellungen zum maßgeblichen Bezugspunkt professionellen Handelns. Diese Aufwertung der Laienposition lässt sich nun leicht als ein Indiz für die Herausbildung eines reflexiven Expertentyps lesen.

Die vorliegende Analyse geht jedoch in eine andere Richtung. Mit Blick auf die den konkreten Entscheidungsprozessen zugrunde liegenden Rationalitäten und Relevanzsetzungen wird argumentiert, dass eine solche Entstaatlichung und Individualisierung der Biopolitik (Life-Politics) nicht gleichbedeutend ist mit einer reflexiven Praxis. Reflexivität im normativen Sinn, so das abschließende Plädoyer, hätte eine Institutionalisierung von alternativen Wissensformen und Rationalitäten zur Voraussetzung.

Gesamtwerk

Die 8. Auflage ist wieder auf sechs Bände angelegt. Darin finden sich übersichtlich und in systematischer Gliederung Vertragsmuster aus der Feder erfahrener Experten. Jedem dieser Muster folgen Anmerkungen, mit denen der dem Vertragsentwurf zu Grunde liegende Sachverhalt und die Gründe für die Wahl des spezifischen Formulars erläutert werden.

Autoren

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